Soll ich mit der Hochzeit meinen Namen ändern? Ja… oder doch nicht?

Wie haltet ihr es mit eurem Nach-Namen? Wollt ihr den Namen eures Partners oder eurer Partnerin annehmen oder doch lieber den Geburtsnamen behalten? Damit ihr euch etwas besser entscheiden könnt und eine Grundlage für die Diskussion oder das Gespräch zur Vorbereitung der Hochzeit habt, habe ich das Thema hier für euch aufbereitet. Mit persönlicher Geschichte und einer Pro-Contra-Liste.

 

Es gibt ja schon einige – vor allen Dingen Frauen – für die das Thema „Ändere ich mit der Hochzeit meinen Namen oder nicht?!“ eigentlich gar keine Frage ist. Selbstverständlich nehmen sie den Namen ihres Mannes an. Laut dem Marktforschungsinstitut GfK bleiben nur 18,8 % der Frauen in Deutschland bei ihrem Geburtsnamen.

 

Dass die Frau den Namen des Ehemannes annimmt, hat Tradition und war Ende des 19. Jahrhundert sogar im bürgerlichen Gesetzbuch geregelt. Erst seit 1976 wurde diese Regel gelockert: Die Frau musste also nicht mehr automatisch ihren Namen abgeben, sondern sie konnte wählen, ob sie einen Doppelnamen annimmt oder ihren „Mädchennamen“ behält. Folgender Fachkommentar zu diesem Gesetz zeigt jedoch, wie der Stand der Frau selbst zu dieser Zeit noch in der Gesellschaft war: "Der Frau ist ein Namenswechsel im Zweifel eher zumutbar, da sie als die zumeist Jüngere vor der Heirat weniger lang im Berufsleben stand, nachher zur Versorgung der Kleinkinder oft einige Jahre aus dem Beruf ausscheidet sowie überdies in ihm häufig weniger hohe Positionen einnimmt als im Durchschnitt der Mann."

 

Ich bin verheiratet und habe mich entschieden meinen Geburtsnamen zu behalten. Diese Entscheidung war für mich nicht automatisch klar, obwohl meine Freunde meinten, dass das natürlich zu mir passt. Warum? Vielleicht weil mir das Thema Identität und Selbständigkeit schon immer sehr wichtig war. Mit 35 fühlte es sich in meinen Augen auch komisch an, meinen Nachnamen als Teil meiner Persönlichkeit abzugeben, mit dem ich mich schon über 3 Jahrzehnte identifiziere.

Dabei habe ich es mir mit dieser Entscheidung nicht sehr leicht gemacht. Beim „Aufgebot“ (klingt so altbacken) - also bei der Anmeldung der Ehe beim Standesamt hatte ich zunächst angegeben, dass ich den Namen meines Mannes als gemeinsamen Ehenamen annehmen möchte. Aber dann habe ich noch ein paar Wochen darüber nachgedacht. Den neuen Namen zusammen mit meinem Vornamen geschrieben, ihn immer wieder laut ausgesprochen. Irgendwie hat sich das so komisch und ungewohnt angefühlt. Und als ich dann erfahren habe, dass man den Geburtsnamen jederzeit – auch nach der standesamtlichen Ehe-Schließung noch zu einem gemeinsamen Familiennamen oder Doppelnamen ändern kann – und das für 25,00€ - da war mir klar, dass ich meinen Geburtsnamen zunächst behalten will. Ich hatte ja immer noch die Option ihn zu ändern. Aber: wenn man den Namen des Partners einmal annimmt oder auch einen Doppelnamen, dann ist das für immer. Es sei denn man kann dem Standesamt glaubhaft darstellen, dass der Name einem psychische Probleme verursacht oder man lässt sich scheiden. Dann könnt ihr euren Geburtsnamen ohne Probleme wieder annehmen.

Bei den ganzen Überlegungen, ob ich den Namen nun annehme oder nicht – spielte natürlich auch mein Mann eine Rolle. Er hätte sich bestimmt gefreut, wenn ich seinen Nachnamen angenommen hätte. Und ein bisschen habe ich auch darüber nachgedacht, ob ich ihm dieses „Geschenk“ zur Hochzeit machen soll. Aber letztlich ging es ja um meinen Namen. Was ich dabei aber so schön fand – mein Mann hat sich auch Gedanken dazu gemacht, wie es wäre, seinen Geburtsnamen abzugeben und dafür meinen Namen anzunehmen. Er hat Unterschriften geübt, sich vorgestellt, wie sich das anfühlen würde, anders – also so wie ich zu heißen – und er ist zu dem Schluss gekommen, dass auch er sich das nicht wirklich vorstellen konnte und so ist er auch bei seinem Geburtsnamen geblieben. Und ich bin mir sicher, dass er durch diesen Prozess auch mehr Verständnis für meine Entscheidung hatte.

 

Als wir dann beim Standesamt waren und JA zueinander gesagt haben, wurde am Ende auch verkündet, dass es keinen gemeinsamen Ehenamen gibt, sondern, „dass die Eheleute sich entschieden haben, ihre jeweiligen Nachnamen zu behalten.“ Da ging erst einmal ein Raunen durch den Saal. Das habe ich genau gehört. Mein Vater hat sich ja schon im Vorfeld über meinen Entschluss gewundert und eher den Kopf über mich geschüttelt. Bei mir gibt es nicht einmal das Argument, dass der Name sonst nicht weitergetragen würde, da mein Bruder ja auch so heißt.

 

Die Erste, die mir nach der Hochzeit dazu gratuliert hat, dass ich meinen Namen behalten habe, war witzigerweise die Tante meines Mannes – mit der Begründung – „Wenn du später mal alte Freundinnen suchsch, findsch die ja nimmer, weil die alle anders heißen!“ Bei mir sei dies ja nicht so!

 

 

So, jetzt kennt ihr meine Geschichte zum Thema Namensänderung Ja oder Nein.

Zugleich kann ich auch verstehen und nachvollziehen, warum zwei Ehe-Partnern es wichtig ist, einen gemeinsamen Namen zu haben. Und wer weiß, vielleicht nehme ich ja doch eines Tages den Namen meines Ehemanns an oder er meinen? So mit dem Blick auf die Option, den Namen doch noch zu ändern, lässt sich das ganz entspannt sagen. Ich glaube jedoch nicht, dass mein Mann meinen Namen annehmen würde, denn seit der Hochzeit hat er sich auch etwas intensiver mit seiner Familiengeschichte befasst und sogar ein traditionsreiches Wappen aus dem 18. Jahrhundert ausgegraben. Da ist wohl doch etwas dran – an dem Thema Identität und Namen und ich bin mir sicher, weder für ihn noch für mich sind Namen nur „Schall und Rauch.“

Welche Argumente gibt es jedoch dafür und dagegen, den Namen des Partners oder der Partnerin anzunehmen?

 

Liste Pro-Namensänderung

  1. Wenn bei euch das Gefühl von Zusammengehörigkeit und gemeinsamer Ehe und Liebe durch einen gemeinsamen Namen ausgedrückt wird, dann spricht das vielleicht für einen gemeinsamen Namen.
  2. Ihr seid noch etwas jünger und steht beruflich noch am Anfang. Ihr habt noch keine wissenschaftlichen Artikel veröffentlicht – dann fällt die Annahme eines anderen Nachnamens vielleicht auch leichter.
  3. Euer Geburtsname ist sehr kompliziert. Ihr müsst immer buchstabieren, wie man ihn schreibt und selbst deine Freunde schreiben dir Postkarten, auf denen dein Nachname falsch ist.
  4. Euer Geburtsname ist euch peinlich, weil er lächerlich klingt und zu Missverständnissen führt?
  5. Euer Geburtsname ist in euren Augen ein „Allerweltsname“ – und euch verbindet nicht wirklich viel damit.
  6. Euer Geburtsname erinnert euch an Familienmitglieder mit denen ihr nichts mehr zu tun habt oder zu tun haben wollt.
  7. Ihr wollt, falls ihr in der Ehe Kinder bekommen solltet, dass alle Familienmitglieder ein und denselben Familiennamen tragen.
  8. Der Name deines Partners oder deiner Partnerin gefällt dir so viel besser als deiner.

Liste Contra Namensänderung

  1. Falls du dich stark mit deinem Geburtsnamen identifizierst, gibst du einen Teil deiner früheren Identität auf.
  2. Du musst dich erst einmal an den neuen Namen gewöhnen.
  3. Alle öffentlichen Stellen, deine Arbeitsstelle usw. muss über die Namensänderung informiert werden.
  4. Du musst deine kompletten Ausweise und Versicherungskarten erneuern und mit deinem neuen Namen versehen lassen.
  5. Du musst dir evtl. eine neue Email-Adresse zulegen und alle deine Kontakte (bei Gelegenheit) informieren.

Welche Gründe sprechen für oder gegen Doppel-Namen?

 

Pro-Liste Doppel-Namen

  1. Vielleicht die beste Lösung für die, die sich nicht entscheiden können. Du kannst deinen Namen behalten und trägst auch den Namen deines Partners oder deiner Partnerin.
  2. Jemand in deiner neuen Familie würde genau so heißen. Du kannst dich aber individueller benennen, wenn du einen Doppelnamen führst.
  3. Falls ihr mal Familie habt, tragt ihr in jedem Fall auch den Nachnamen eurer Kinder im Namen.

Welche Gründe sprechen gegen Doppel-Namen?

Contra-Liste Doppel-Namen

  1. Manchmal klingen sie einfach furchtbar… Leutheusser-Schnarrenberger – umständlich.
  2. Manchmal sind sie einfach viel zu lang.
  3. Im Alltag wird dann doch oft nur einer der beiden Namen verwendet.

Ihr habt euch für eine Namensänderung entschieden? Nach der Hochzeit steht ihr vor der Frage, wo ihr euren Namen überall ändern müsst. Anbei habe ich euch eine Check-Liste zum Abhaken vorbereitet:

  • Änderung der Ausweisdokumente: Personalausweis und Reisepass
  • Behörden und Ämter: Finanzamt, Agentur für Arbeit, Bafög-Amt?, Meldung beim Beitragsservice für Rundfunkgebühren
  • Führerschein und Zulassungsbescheinigung für Autobesitzer*innen
  • Arbeitgeber – Personalabteilung; Änderung Email-Adresse, Visitenkarten, Briefkopf
  • Versicherungen: Krankenversicherung, Lebensversicherung, Unfallversicherung usw.
  • Banken: Girokonto, Kredite, Bausparverträge, Paypal, Vollmachten
  • Verträge mit Vermieter, Strom- oder Gasanbietern
  • Abonnements von Zeitungen und Zeitschriften
  • Online-Versandhändler, bei denen du registriert bist
  • Mitgliedschaften in Sportvereinen oder Fitness-Studios
  • Abo-Tickets bei öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Und nicht zuletzt: Klingelschild und Briefkasten

    Du bist selbständig – dann kommen noch folgende wichtige Punkte hinzu:

  • Änderung von Website, Visitenkarten, Flyern
  • Änderung des Impressums auf der Website
  • Einträge in Branchenbüchern online und print
  • Änderung des Namens beim Gewerbeamt 

 

 

 

Ob nun mit neuem Namen oder geändertem Namen. Die Ehe-Schließung und euer Ja-Sagen zueinander, zu einem gemeinsamen Leben mit dem Menschen, den ihr aus tiefstem Herzen liebt, bleibt von eurem Namen unberührt. Die Ehe ist das, was ihr daraus macht. Ihr wachst zusammen – mit oder ohne gemeinsamen Namen.

Sagt JA zueinander. Mehr Liebe braucht die Welt.

 

Von Herzen, Eure Redekünstlerin Sabine

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Ihr habt Fragen? Meldet Euch!

Wir können gern ein unverbindliches  Gespräch zum Kennenlernen vereinbaren.

Redekünstlerin Sabine Wanek

Tel: 0176/ 99 999 813

sabine@redekuenstlerin.de